Skiunfall mit Touristen: Und die Versicherung zahlt?

Sind an einem Skiunfall Dritte beteiligt, sollte man (wann immer möglich) eine Pistenpatrouille hinzuziehen, die einen Rapport von unabhängiger Seite erstellt. Das rät der Schweizerische Versicherungsverband SVV in seinem aktuellen Newsletter. Konkret geht es dabei um eine Frage zu einem Skiunfall, der durch einen Touristen in der Schweiz bei Missachtung der FIS-Regeln verursacht wurde und bei dem sich der Schweizer Fragesteller ein Bein gebrochen hat.

Durch den Rapport ist gesichert, dass alle Unfallbeteiligten mit Name und Adresse protokolliert sind, dass der Unfallverursacher eventuell von der Unfallversicherung in Regress genommen werden kann und dass auch der Geschädigte in der Lage ist, eventuell vom Versicherer nicht übernommene Kosten beim Verursacher einzufordern.

Prinzipiell zahlt die obligatorische Unfallversicherung

Bei dem im SVV-Ratgeber beschriebenen Unfall ist der Unfallgeschädigte beim Thema „finanzielle Absicherung“ in der Regel auf der sicheren Seite: „Die obligatorische Unfallversicherung Ihres Arbeitgebers steht für die finanziellen Folgen des Unfalles ein, wie Heilungskosten, Erwerbsausfall oder Kosten des Nottransports zum Spital“, schreibt der SVV. Allerdings wird sich der Versicherer an den Versicherten wenden, um den Namen und die Anschrift des Unfallverursachers zu erfahren.

Die Adressdaten geben dem Versicherer die Chance, sich zumindest einen Teil der ausgegebenen Gelder beim Verursacher zurückzuholen. Die gesetzliche Basis dieses Vorgehens ist das Bundesgesetz über den allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG). Hier heisst es in Artikel 72.1:

„Gegenüber einem Dritten, der für den Versicherungsfall haftet, tritt der Versicherungsträger im Zeitpunkt des Ereignisses bis auf die Höhe der gesetzlichen Leistungen in die Ansprüche der versicherten Person und ihrer Hinterlassenen ein.“

Obwohl die Obligatorische Unfallversicherung des Versicherten im beschriebenen Unfallszenario greift, sollte man sich als leidenschaftlicher Skifahrer genau informieren, ob die Leistungen dieser Versicherung auch dann ausreicht, wenn es etwa um finanzielle Absicherung bei einem Lohnausfall geht, oder ob eine ergänzende private Unfallversicherung sinnvoll ist. Prüfen sollte man darüber hinaus auch, ob die eigene Privat-Haftpflichtversicherung ausreicht, wenn man als Unfallverursacher bei einem Skiunfall in Haftung genommen wird.

Im Zweifelsfall braucht man Belege

Für Unfallgeschädigte ist es beim Skifahren immer wichtig, den Unfallhergang möglichst gut belegen zu können. Eine Protokollierung des Unfalls durch die Polizei ist dabei jedoch nicht zwangsläufig nötig. Darauf hat Franz Erni, Rechtsexperte der SUVA, bereits im Januar 2014 im Rahmen einer Fragerunde des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF) hingewiesen.

Bei der konkreten Frage ging es um einen Skiunfall, bei dem ein Schweizer von einem italienischen Touristen umgefahren wurde und eine dauerhafte Knieverletzung erlitt. Die Versicherung des Italieners verweigerte damals die Zahlung mit der Begründung, dass die Polizei den Unfall hätte aufnehmen müssen. Laut Erni reichen aber beispielsweise „schriftliche und unterzeichnete Zeugenaussagen“ als Dokumentation des Unfallgeschehens aus. Generell gilt: Je besser man die eigene Schilderung des Unfallhergangs belegen kann, desto eher steht man auf der sicheren Seite.

Skiunfall: Mir wird schon nichts passieren!

Mir wird beim Skifahren schon nichts passieren? Nun, es ist möglich und sogar nicht unwahrscheinlich, dass man einen Skiurlaub ohne jeden Unfall erlebt. Dennoch sollte man das Risiko nicht herunterspielen. Laut Schweizerischer Unfallversicherung SUVA verunfallen jährlich immerhin „durchschnittlich 65 000 Personen der Schweizer Bevölkerung auf Pisten im In- und Ausland“. Da ist es schon ganz gut, sich zumindest einmal kurz einige Gedanken zur finanziellen Absicherung im Falle eines Unfalls zu machen.